Was ist der Sabbat in der Bibel und sollten Christen ihn einhalten?
Eine Einladung zur heiligen Ruhe

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Eine regelmäßige, in wiederkehrendem Rhythmus eingehaltene Zeit der Ruhe findet sich schon in der ersten Geschichte der Bibel. Bevor sich die Menschen von Gott abwandten, bevor Gott seine Partnerschaft mit dem Volk Israel gründete, etablierte Er ein Muster der Ruhe am siebten Tag ein (Genesis 2,2-3). Diese Ruhe am siebten Tag nennen wir Sabbat.
Was bedeutet es also heute für Gottes Volk, den Sabbat zu halten? Sollen Christen den Sabbat halten? Und wenn ja, wie? Warum sollten wir das Gebot „Denk an den Sabbattag“ halten, wenn wir uns nicht an einige der anderen Gesetze in der Bibel halten müssen, wie zum Beispiel die über das Mischen von Stoffen und den Verzehr unreiner Tiere?
Wie wird der Sabbat in der Bibel definiert?
Bevor wir diese Frage beantworten, schauen wir uns kurz an, was in den hebräischen Schriften (dem Alten Testament) über die Sabbatruhe gesagt wird. In der Bibel gibt es zwei hebräische Wörter für Ruhe. Das erste ist shabbat, was teilweise mit dem deutschen Wort „Sabbat“ übersetzt wird.
Was also ist Shabbat? Dieses Wort bedeutet einfach, mit der Arbeit aufzuhören. Stell dir einen Job vor, bei dem du am Ende einer Schicht ausstempelst. Die Arbeit ist erledigt, und es gibt keine weitere, bis du wieder einstempelst.
Das andere wichtige hebräische Wort für Ruhe, das in den hebräischen Schriften verwendet wird, ist nuach. Das bedeutet „ruhen“ oder „sich niederlassen“. Mit Blick auf seine Bedeutung ist nuach nicht wie das Ausstempeln bei einem Job. Diese Art der Ruhe ist eher so, als würde man mit einem geliebten Menschen vor dem Kamin sitzen oder einen Koffer auspacken, um die Ferien bei der Oma zu verbringen.
Gott führt die Konzepte hinter den Begriffen Shabbat und nuach in der Bibel etwa zur gleichen Zeit ein. Im Schöpfungsbericht arbeitet Gott sechs Tage lang, um die Welt zu erschaffen und ruht am siebten Tag (Genesis 2,2-3). Nachdem er sechs Tage lang Ordnung ins Chaos gebracht hat, nimmt er sich die Zeit, von seiner Arbeit auszuruhen (Shabbat). Nur ein paar Verse später lesen wir, dass Gott die Menschen erschafft und sie in den Garten setzt, um sich dort „niederzulassen“ (nuach) (Genesis 2,15). Die literarische Struktur zeigt eine Verbindung zwischen den Konzepten von Shabbat und nuach – sie hängen zusammen. Gott geht mit gutem Beispiel voran, indem er sich von seiner Arbeit ausruht (Shabbat) und dann bei seinem Volk bleibt (nuach).
Diese ersten Kapitel in Genesis zeigen, wie wichtig Ruhe für Gott ist, aber wie entwickeln sich diese Ideen im weiteren Verlauf der biblischen Geschichte?
Die Sabbatruhe in den hebräischen Schriften
Wenn wir weiterlesen, sehen wir, wie das Volk Israel immer wieder Gottes Plan für die Ruhe ablehnt (Hesekiel 20,12-13; Jeremia 17,27). Sie beten falsche Götter an, ignorieren seine Anweisungen und rebellieren auf fast jede erdenkliche Weise. Trotzdem findet Gott einen Weg, seine Gegenwart durch das Opferritual in der Stiftshütte und später im Tempel (Exodus 40,3-34; Levitikus 1,1-4) unter ihnen ruhen zu lassen (nuach). Der Tempel ist dem Garten Eden nachempfunden, dem Ort, an dem Gott und die Menschen gemeinsam ruhten. Beziehungstreue war schon immer der Kern von Gottes Einladung zum Sabbat, aber Israel hatte Mühe, sie anzunehmen. Am Ende der hebräischen Schriften fragen wir uns: Wird die Sabbatruhe jemals so angenommen werden, wie Gott es beabsichtigt hat? Lass uns weiterlesen und es herausfinden.
Wie hat Jesus den Sabbat geheiligt?
Das deutlichste Bild von Gottes Gegenwart hier auf der Erde sehen wir in Jesu Leben. Jesus war Gott. Er war gekommen, um unter den Menschen zu leben. Und Jesus hatte viel zu sagen über den Sabbat und die wahre Ruhe, die Gott für die Menschen will.
In seinem Evangelium erzählt Matthäus eine Reihe von Geschichten, in denen Jesus von den religiösen Anführern und Lehrern Israels konfrontiert wird. An einem Sabbat beanstanden die religiösen Leiter, dass Jesu Freunde beim Gang durch ein Feld Ähren pflücken (Matthäus 12,1-2). Sie beanstanden auch, dass Jesus die verdorrte Hand eines Mannes heilt (Matthäus 12,9-14), und sagen, dass Jesus das Gebot der Sabbatheiligung aus den hebräischen Schriften missachtet (Exodus 20,8; Deuteronomium 5,15).
Jesus antwortet darauf mit einem Argument, das die wahre Bedeutung des Sabbats klarstellt, seine Rolle als der verheißene Messias bekräftigt und auf seine Göttlichkeit hinweist (Matthäus 12,3-8). Jesus verstand den Kern des Sabbats – worauf Gottes ursprüngliches Gebot hinwies. Um den Standpunkt Jesu zu verstehen, müssen wir uns den Kontext ansehen, in den Matthäus diese Geschichten gestellt hat.Bibelleser.
Der Sabbat im Neuen Testament
Matthäus erzählt von diesen Sabbat-Streitigkeiten direkt nachdem er Jesu Worte über die Ruhe zitiert hat.
28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Matthäus 11,28-29
Diese Aussagen zur Ruhe kurz vor einem Textabschnitt, der sich mit dem Sabbat beschäftigt? Das ist kein Zufall. Die Menschen sind müde und erdrückt von der Last, den Sabbat einzuhalten, indem sie sich streng an die Buchstaben des Gesetzes halten, wobei ihnen Gottes Absicht hinter dem Gebot entgeht.
Jesus will ihnen die Bedeutung des Sabbats klar machen. Die Menschen brauchen Ruhe – sie müssen mit der harten Arbeit aufhören (shabbat) und in Gottes Gegenwart sein (nuach). Und Jesus ist hier, um sie in die volle Verheißung zu führen. Er ist Gottes Ruhe, und die Leute können zu ihm kommen und die wahre Ruhe am siebten Tag finden, die Gott beabsichtigt hat.
Jesus erinnert die Menschen an Gottes ursprüngliche Absicht für den Sabbat: Einheit mit Gott, der Schöpfung und untereinander. Jesus lehrt, dass der Sabbat auf ihn hinweist, den die Propheten Israels angekündigt haben, der kommen würde, um in Gnade den Rhythmus der gesamten Schöpfung wiederherzustellen.
Wenn wir als Nachfolger Jesu den Sabbat halten, leben wir so, als ob diese Wiederherstellung schon passiert wäre. Wir machen eine Pause von den kaputten Rhythmen von Hetze und Mühsal, um uns Zeit zu nehmen, Jesu Herrschaft zu ehren, seine Gegenwart zu genießen und die Ruhe auf die Welt um uns herum auszuweiten. Wenn wir Gottes Einladung folgen, zu ihm zu kommen und wirklich auszuruhen, werden wir selbst zu Orten, an denen seine Gegenwart wohnen kann.
Der Sabbat für die Christen von heute
Wie sieht das für Nachfolger Jesu heute aus? Heißt das, jede Woche in die Kirche zu gehen, die Arbeits-E-Mails auszuschalten oder sich ehrenamtlich in der Gemeinde zu engagieren? Ist es wichtig, an welchem Tag man den Sabbat einhält? Das könnte alles Teil des Sabbats sein, aber die ganze biblische Geschichte scheint eher den Sinn des Sabbats zu betonen als bestimmte Regeln für seine Einhaltung.
Als Nachfolger Jesu erwartet Gott von uns nicht, dass wir nach den Gesetzen Israels leben. Die Weisheit dieser Gesetze bleibt jedoch bestehen, und das Gesetz des Sabbats ist für uns heute von großer Bedeutung. Der Sabbat ist kein Gebot, an das wir gebunden sind, sondern ein Versprechen, über das wir uns freuen dürfen.
Die Sabbatruhe ist eine Einladung, uns auf die Ewigkeit in Gottes Gegenwart vorzubereiten. Sie ist ein Akt des regelmäßigen und bewussten Vertrauens in Gottes Herrschaft auf Erden. Wir halten den Shabbat, um zu nuach – wenn wir aufhören zu arbeiten, können wir uns wirklich in Gottes Gegenwart ausruhen. Wenn wir diese bewusste Pause einlegen, schaffen wir Raum für Gott, damit er sich in unserem individuellen Leben und in unseren Gemeinschaften niederlassen kann. Und wenn wir das tun, nehmen wir an der neuen Schöpfungsgeschichte teil und bereiten den Weg dafür, dass Gott wieder auf der Erde wohnen kann.
Original von BibleProject Scholar Team
Übersetzung von Julia Pfeifer
