In Kapitel 14-20 dreht sich alles um die unterschiedlichen Erwartungen, die die Menschen an den Messias haben. Jesus heilt weiterhin Kranke und versorgt sogar zweimal durch ein Wunder eine große Menschenmenge in der Wüste mit Essen – einmal Juden (Kapitel 14), einmal Nichtjuden (Kapitel 15). Dieses Zeichen erinnert an das, was Mose für Israel in der Wüste getan hat. All diese Menschen sind begeistert von Jesus. Sie halten ihn für einen großen Propheten, sogar für den Messias – ganz im Gegensatz zu den religiösen Leitern. Ihre Vorstellung vom Messias kommt aus Texten wie Psalm 2 oder dem Buch Daniel. Dort wird der Messias als ein Kämpfer beschrieben, der Israel befreit und die fremden Unterdrücker besiegt. Aus ihrer Sicht ist Jesus ein falscher Prophet. Mit dem, was er über sich selbst sagt, macht er sich in ihren Augen sogar zum Gotteslästerer. Ihr Widerstand gegen Jesus wird stärker und so schmieden sie einen Plan, ihn umzubringen.
In den Kapiteln 16 und 17 lesen wir, dass sich Jesus zurückzieht und seinen Jüngern zu erklären beginnt, was es für ihn bedeutet, der Messias zu sein. Das passt mit all diesen Erwartungen nämlich nicht zusammen.
Jesus fragt seine Jünger zum Beispiel in Kapitel 16, „Für wen haltet ihr mich?“ Und es scheint so, als ob Petrus die richtige Antwort hat: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Aber dann wird klar, dass Petrus sich einen König vorstellt, der durch militärische Macht regieren und siegen wird.
Und Jesus fordert Petrus heraus, indem er sagt „Ja, ich werde König sein, aber auf eine andere Art und Weise.“ Dann geht Jesus auf Themen des Propheten Jesaja ein. Jesaja hatte angekündigt, dass der messianische König für die Sünden seines Volkes leiden und sterben würde. Jesus sieht sich also als den messianischen König, der regiert, indem er ein Knecht wird und sein Leben für Israel und die Nationen hingibt.
Aber Petrus und die anderen Jünger verstehen das nicht wirklich. Deshalb beginnt Jesus mit der vierten Lehrpredigt in Kapitel 18, auf die eine weitere Predigtserie in den Kapiteln 19 und 20 folgt. Jesus macht dabei klar, dass das messianische Königreich anders ist und unser Wertesystem auf den Kopf stellt. Wenn man zur Gemeinschaft des dienenden Königs gehört, wird man geehrt, indem man anderen dient. Anstatt sich zu rächen, vergibt man seinen Feinden und tut ihnen Gutes. Man erlangt wahren Reichtum, indem man ihn weitergibt. Um dem dienenden Messias zu folgen, musst du selbst ein Diener werden.