Diese Einleitung führt uns in den ersten Hauptteil des Buches (Kap. 1-9), der überhaupt keine Sprichwörter enthält. Stattdessen finden wir hier zehn Reden von einem Vater an seinen Sohn. Der Vater fordert den Sohn auf, auf die Weisheit zu hören und die Furcht des Herrn zu entwickeln. Dies umfasst ein Leben der Tugend, der Rechtschaffenheit und der Großzügigkeit, was letzten Endes aber zu Erfolg und Frieden führen wird. Gleichzeitig warnt der Vater seinen Sohn vor Torheit und Bosheit, vor kurzsichtigen, selbstsüchtigen Entscheidungen und Stolz. All dies hingegen wird zu Ruin und Schande führen. Deshalb sollte der Sohn das Streben nach Weisheit und die Ehrfurcht vor Gott zu seinen höchsten Zielen im Leben machen. Dieser Denkansatz bildet die moralische Logik für das gesamte Buch.
So geben uns die einführenden Reden einen Hinweis darauf, was biblische Weisheitsliteratur ist und wie sie sich von anderen Teilen der Bibel unterscheidet. Sie erforscht zwar, wie man in Gottes Welt gut leben kann. Aber sie macht gleichzeitig deutlich, dass Weisheit weder Gesetz noch Prophetie ist. Vielmehr stellt Weisheit die gesammelte Einsicht des Volkes Gottes über die Generationen hinweg vor. Es geht darum, wie man so leben kann, dass Gott und andere geehrt werden. Durch das Buch der Sprüche sind diese menschlichen Worte über Weisheit zu Gottes Wort und Weisheit für sein Volk geworden. Dies knüpft an ein weiteres zentrales Thema in den Kapiteln 1-9 an: Den Worten der Frau Weisheit. In vier Gedichten wird die Weisheit als eine Frau personifiziert, die die Menschen auffordert, aufmerksam zu sein und nach ihr zu suchen. Die Weisheit erklärt, dass sie in das Gewebe des Universums eingewoben ist.
Wann immer Menschen weise Entscheidungen treffen, verlassen sie sich auf sie. Wann immer sie großzügig sind, sexuelle Integrität besitzen oder Gerechtigkeit walten lassen, schöpfen sie aus der Weisheit.
Diese Gedichte von Frau Weisheit sind kreative, poetische Wege, um folgende Idee zu erforschen: Wir leben in Gottes moralischem Universum und Güte und Gerechtigkeit sind objektive Realitäten, die wir auf eigene Gefahr ignorieren. Den Herrn zu fürchten und weise zu leben, bedeutet, im Rhythmus des Universums zu leben.
Zusammengenommen vermitteln diese beiden Redebeiträge des Vaters und der Frau Weisheit eine eindrucksvolle Botschaft über das Buch der Sprüche. Denn dieses Buch bietet nicht einfach nur gute Ratschläge. Es ist eine Einladung Gottes, menschliche und göttliche Weisheit von früheren Generationen des Gottesvolkes zu lernen.